Letzten Donnerstag im Supermarkt kam über mich
ein ganz drängendes innigliches Bedürfnis und ich schlich
durch die unscheinbare Tür neben der Billig-Bier-Palette
geradewegs der Nase nach in Richtung Supermarkttoilette.
5 Minuten später war ich wieder ganz entspannt,
doch der Druckausgleich hat das Problem noch nicht komplett gebannt,
so dass mein Anstandsrest Hygiene mich zum Waschen befahl,
vor dem Spiegel, überm Becken, unterm Wasserstrahl
Nur beim Wasser an den Händen lässt man’s heut’ ja nicht bewenden,
also griff ich nach dem rosa Plastikteil zum Seifespenden,
doch wie geht das? – soll ich drücken, ziehen, schrauben oder pressen,
soll ich streicheln oder schlagen, soll ich’s trocknen oder nässen,
ich will Seife, ich versteh’s nicht, oder hab’ ich’s gar vergessen?
Und dies’ kleine rosa Teil fing an mich tierisch zu stressen
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Toiletten?
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Klos?
Ich komm nicht davon los;
nein, nein, es stresst mich, stresst mich, stresst mich.
Hand aufs Herz – gibt’s nicht zuviel Stress in dieser Welt,
wenn das selbstgebaute Hochbett zu zweit dann doch nicht hält,
wenn die Frau im Supermarkt schneller kassiert als ich verstau,
jedermann noch reden kann und nur ich bin schon zu blau?
Wo kommen diese Flecken unter meinen Achseln her?
Ich sag „Dankeschön“, doch niemand sagt zu mir mal „Bitte sehr“
Und wer verrät mir, wie man einen Routenplan versteht?
Warum sind die andern pünktlich, ich immer zu spät?
Soll ich’s glauben, wenn das Fernsehen sagt: „Wir zeigen Dir, wie’s geht!
Hier gibt’s Anti-Stress-Sound im Jamba-Monatspaket!“
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Toiletten?
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Klos?
Ich komm nicht davon los;
nein, nein, es stresst mich, stresst mich, stresst mich.
Manchmal werd ich träumerig und denke, es könnte so einfach sein,
jeder müsste sein wie ich, dann löste sich jedes Problem von allein.
Die Ampeln wären grün und Bürokraten liebenswert,
die Welt, sie wäre schön, leicht, entspannt und unbeschwert,
Doch aus diesem Paradies vertreibt mich seit letztem Donnerstag
die alles entscheidende Frage, die sich bestimmt bald jeder fragt:
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Toiletten?
Warum gibt es so viele unterschiedliche Seifenspender
in öffentlichen Klos?
Ich komm nicht davon los;
nein, nein, es stresst mich, stresst mich, stresst mich.
zu hören auf „maybebop – Superheld live“
© Michael Lohmann/Oliver Gies