Liebeslied an ein Pornographienbild

Du stehst im Regal und lachst mich an
Auf Glanzpapier gedruckt, in Plastikfolie eingepackt.
Dein Lächeln überwindet meinen zaghaften Blick.
Bis auf das Preisschild bist Du schutzlos und nackt.


Perlen aus Wasser tropfen von deiner Haut.
Hinter dir liegt die See, vor mir liegt die Wahl.
Ich trage dich auf Händen zu der Kasse am Ausgang.
Dein Lächeln bleibt wie es ist, während ich dich bezahl'.

Welch ein Geschenk gab uns Gott mit der Schönheit nackter Körper
Eingefangen in dem Zauber einer Fotografie.
Ja, ich lese gerne Goethe, Kafka, Brecht und Adorno,
doch ich guck' auch gerne Porno.
Pornographie.

Ich schau' dich an und Seite für Seite
entkleidest du dich zu Hause bei mir.
Die Zärtlichkeit hat Flügel.
Die Fantasie legt ihre Hände auf Glanzpapier.


Ich mag euch, ihr Künstler, ihr nackten Modelle.
Ihr Akteure der Freiheit im schmutzigen Heft.
Ich mag Euch und ich werde wohl auch dabei sein
Wenn ihr euch statt im Himmel auf der Müllkippe wieder trefft.

Welch ein Geschenk gab uns Gott mit der Schönheit nackter Körper
Eingefangen in dem Zauber einer Fotografie.
Ja, ich lese gerne Goethe, Kafka, Brecht und Adorno,
doch ich guck' auch gerne Porno.
Pornographie.

Welch ein Geschenk gab uns Gott mit der Schönheit nackter Körper
Eingefangen in dem Zauber einer Fotografie.
Ja, ich lese gerne Goethe, Kafka, Brecht und Adorno,
doch ich guck' auch gerne Porno.
Pornographie.

© Friedhelm Kändler