Leute lieben Ordnung, Ordnung liebt die Leute nicht.
Dass ich, was ich nutz, auch putz, ist Tugend mir und Pflicht.
Leute wirbeln Staub auf, Staub ist überall,
Staub, das werd ich auch mal sein, nach meinem Todesfall.
Da darf ich nicht dran denken, ach, so den Tod vor Augen
Greif ich meinen Sauger und fange an zu saugen.
Ich wisch, polier und putze, putz, mir geht’s so zauberlich.
Trotz der Macht des Staubes mach alles sauber ich.
Das ist der Daseinszweck vom Dreck:
Nicht da zu sein, nein weg.
Es ist ein Zwang, der mich befreit.
Ich lebe für die Sauberkeit.
Nur manchmal nachts
schließe ich das eine kleine Zimmer auf.
Nur manchmal nachts,
wenn keiner guckt und keiner schaut.
Oh, ich gucke Werbung, Werbung gucke ich mit Fleiß,
dass ich alle Mittel und um ihre Wirkung weiß.
Ja, das spornt mich an, ja, da schreib’ ich mit.
Uäh, was die alles zeigen ist erstmal Igittigitt!
Doch dann, da strahlt es wieder, man sollte es nicht meinen.
Immer gibt’s ein Happy End, und dann, dann muss ich weinen.
Von neuer Hoffnung angerührt, ich spüre Kraft in mir,
nehm ich den Kampf von Neuem auf, auch wenn ich ihn verlier.
Es ist mir Tugend und auch Pflicht,
ich bin des Himmels Strafgericht,
verfolg den Schmutz, verfolg den Dreck
bis in das hinterletzte Eck.
Nur manchmal nachts
schließe ich das eine kleine Zimmer auf.
Nur manchmal nachts,
wenn keiner guckt und keiner schaut,
und endlich leb ich, alles ist so klebrig,
so voller Dreck fühl ich mich gut.
Oh ja, ich suhl mich und fühle so cool mich,
so in dem Dreck des Lebens drin
als ob ich’s gar nicht selber bin.
Manchmal nachts;
ich schließ das eine kleine Zimmer auf,
aber nur manchmal nachts,
wenn keiner guckt und keiner schaut.
zu hören auf „maybebop – Immer für dich da“
© Friedhelm Kändler